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Pflichtverteidiger

Wann wird ein Pflichtverteidger bestellt?

In vielen Fällen können die Kosten für eine gute Strafverteidigung durch einen Fachanwalt für Strafrecht durch eine Beiordnung als Pflichtverteidiger gedeckt werden. Dabei ist zumindest der selbst gewählte Strafverteidiger nicht etwa ein Strafverteidiger zweiter Klasse.

Der Gesetzgeber hat in Strafverfahren, in denen es für den Angeklagten um eine hohe Strafe geht, vorgesehen, dass der Angeklagte durch einen Rechtsanwalt vertreten werden muss.

Die Gebühren für den Pflichtverteidger muss zunächst nicht der Angeklagte zahlen. Dadurch können auch finanziell schwache Angeklagte einen Rechtsanwalt zur Verteidigung beauftragen. Ein Angeklagter kann sich auf Kosten des Staates (Landes) einen Pflichtverteidiger auswählen und diesen mit seiner Verteidigung beauftragen.

Ein Pflichtverteidiger kann sich der Beschuldigte z.B. bei schweren Straftaten wie Mord, Totschlag, Raub oder Erpressung auswählen oder wenn der Beschuldigte sich in Haft befindet. Aber auch bei geringeren Vorwürfen bei denen z.B. aufgrund von Vorstrafen oder Bewährungsstrafen eine Haftstrafe von mehr als einem Jahr droht, hat der Beschudligte einen Anspruch auf einen Pflichtverteidiger.

Ein Pflichtverteidiger wird bestellt, wenn:

  • die Hauptverhandlung im ersten Rechtszug vor dem Oberlandesgericht oder dem Landgericht stattfindet;
  • dem Beschuldigten ein Verbrechen zur Last gelegt wird;
  • das Verfahren zu einem Berufsverbot führen kann;
  • gegen einen Beschuldigten Untersuchungshaft nach den §§ 112, 112a oder einstweilige Unterbringung nach § 126a oder § 275a Absatz 6 vollstreckt wird;
  • der Beschuldigte sich mindestens drei Monate auf Grund richterlicher Anordnung oder mit richterlicher Genehmigung in einer Anstalt befunden hat und nicht mindestens zwei Wochen vor Beginn der Hauptverhandlung entlassen wird;
  • zur Vorbereitung eines Gutachtens über den psychischen Zustand des Beschuldigten seine Unterbringung nach § 81 in Frage kommt;
  • die Sach- und Rechtslage schwierig ist;
  • der Angeklagte sich z.B. wegen einer Behinderung nicht selbst verteidigen kann oder
  • eine Freiheitsstrafe von einem Jahr oder mehr droht.

Sie dürfen den Anwalt wählen!

Ist ein Pflichtverteidger zu bestellen und hat der Angeklagte noch keinen rechtsanwalt beauftragt, so wird der Beschuldigte vom Gericht angeschrieben und aufgefordert einen Rechtsanwalt zu benennen. In diesem Fall sollte der Betroffene unverzüglich mit uns Rücksprache halten. In jedem Fall sollte eine Fachanwalt für Strafrecht beauftragt werden. Benennt der Betroffene keinen Rechtsanwalt, so wird das Gericht dem Betroffenen einen Rechtsanwalt aussuchen.

Das Problem: Das Gericht kann einen beliebigen Rechtsanwalt als Pflichtverteidger beauftragen. Es gibt Rechtsanwälte, die Pflichtverteidigungen als willkommenes Zubrot annehmen und sich dann nicht um die Sache kümmern und sich mehr oder weniger passiv in die Hauptverhandlung setzen. Zudem besteht die Gefahr, dass das Gericht einen Rechtsanwalt auswählt, der sich nicht auf das Strafrecht spezialisiert hat.

Daher sollte Sie als Beschuldigter sofort nach der Aufforderung des Gerichts, einen Rechtsanwalt als Pflichtverteidiger zu benennen, mit uns Kontakt aufnehmen. Wir werden die Angelegenheit dann mit Ihnen erörtern und Sie in der Sache vertreten.